Ich verwende Mutt. Nicht weil ich es toll finde einen MUA zu verwenden, mit dem man nicht auf Anhieb und ohne Studium von diversen Dokumentationen arbeiten kann, sondern, weil er mir das bietet, was ich gesucht habe. Einen Mailer den ich mir nach meinen Wünschen anpassen kann, der auch bei größeren Mailbeständen nicht gleich ins Schwitzen kommt und den ich auch per SSH-Shell von überall übers Netz verwenden kann.
Dabei war Mutt nun wirklich nicht meine erste Wahl. Ich habe zwar über die Jahre immer mal wieder mit “gespielt” aber empfand ihn lange Zeit als zu umständlich. Da ich jedoch mein Wirken am PC zumindest privat inzwischen fast komplett auf Linux verlegt habe, war eine Alternative zu meinem vorherigen Mailer (AK-Mail) unter Windows gefragt. Ich habe dann fast alle der bekannteren Mailer unter Linux mehr oder weniger ausprobiert (Balsa, Evolution, Thunderbird, Sylpheed etc.), bin jedoch immer wieder irgendwo angeeckt und wenn es nur das Wunschfeature der Verwendbarkeit von Außerhalb war. Ergo kam für mich letztendlich nur eine Konsolenlösung in Frage und es blieben eigentlich nur noch Pine bzw. Alpine und Mutt übrig, da sie IMHO zurzeit die einzigen sind, die noch weiter entwickelt werden.
Die Wahl fiel aufgrund der Konfigurationsmöglichkeiten dann letztendlich auf Mutt.
Ich verwende Mutt jedoch nicht so nackt, wie es aus der Tüte fällt. Das geht auch nicht, da Mutt z.B. noch nicht mal über einen eigenen Maileditor verfügt. Und auch wenn es ein Konsolenprogramm ist, so möchte man ja nicht auf einen gewissen Komfort verzichten.
Wer jetzt jedoch einen GUI-Installer mit vielen Schaltern zur Konfiguration sucht, der wird enttäuscht. Mutt wird komplett per Konfigurationsdateien gesteuert, die erst noch zu erstellen sind! Es gibt dafür zwar im Internet einige Hilfen in Form von Scripts (z.B. muttrc builder), aber die sollten, um Mutt besser zu verstehen, nur für erste Experimente verwendet werden oder wenn man genau weiß, was man will. Für jemanden, der aber erstmal nur reinschnuppern möchte, dem lege ich für z.B. Ubuntu dieses Wiki nahe.
Zur Verwendung: Meine Post hole ich aus Mutt heraus mit Fetchmail ab und übergebe sie dann zur Vorsortierung in meine lokalen Postfächer im mbox-Format an Procmail. Fetchmail verwende ich deshalb, weil ich meine Mails immer gerne lokal zur Verfügung habe, auch wenn Mutt vorzüglich mit IMAP kann. Als Editor habe ich mich hier für Vim entschieden, da ich diesen bereits seit Jahren nutze, ist aber reine Geschmacksache. Wenn Mutt keinen anderen genannt bekommt, dann nimmt er den Defaulteditor, was z.B. unter Ubuntu dann Nano wäre. Den Mailversand lasse ich dann noch von nbSMTP erledigen, da ich für zwei Benutzer in unserem Haushalt keinen Sinn mehr darin gesehen habe, dieses weiterhin von einem gesonderten, stromfressenden Server mit Exim erledigen zu lassen.
Somit wäre mit einer einfachen Konfiguration eigentlich alles gegeben, um Mutt zu verwenden. Ich weiß, eine Menge Arbeit, aber es lohnt sich! Man erhält einen extrem mächtigen MUA, der nicht so schnell an seine Grenzen zu bringen ist, alles kann oder auch notfalls mit anderen Programmen beigebracht bekommen kann und nach erfolgreicher Einarbeitung will man wirklich nicht mehr zurück!
Aber da war ja noch die Sache mit dem Komfort. Ich kann und will jetzt nicht auf jedes Script, jeden Patch oder alle möglichen Zusatzpakete eingehen, da es den Rahmen hier arg sprengen würde, aber zumindest die folgenden möchte ich kurz erwähnt haben, da sie einem das Arbeiten extrem vereinfachen können:
Abook: Erweitertes Adressbuch für die Konsole.
mairix: Schnelle Suche in Maildirs, dank Index.
Muttprint: Hochwertige, frei konfigurierbare Druckausgaben über LaTeX.
T-Prot: Blendet bei ToFu (Text oben, Fullquote unten) den Fullquote aus.
urlview: Links in Mutt auflisten und im Browser der Wahl öffnen.
Natürlich ist aber auch Mutt nicht frei von Nachteilen: Angefangen dabei, dass jemand der gerne mit der Maus arbeitet, mit dem MUA schlichtweg gesagt nichts anfangen kann bis hin, dass kleine Änderungen schnell mal in eine Konfigurationsorgie ausarten können, die es oftmals nach sich zieht, dass man Dokumentationen und Foren durchforsten und befragen darf.
Mit anderen Worten, der Zeitaufwand passt bei einem normalen Mailaufkommen nicht zum Nutzen. Mann muss dann schon einen gewissen, masochistischen Hang haben, um mit diesem MUA glücklich zu werden. Sollte dieses nicht der Fall sein, so ist und das ist wirklich nicht negativ oder abwertend gemeint, ein anderer vorzuziehen.
Screenshots: Ich selbst habe zwar im Aufruf zur Blog-Parade Screenshots gewünscht, aber da es für Mutt bereits diverse Bilderserien, wie z.B. auf www.mutt.org selbst gibt, habe ich sie mir dann doch verkniffen.



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